4. Netzwerktreffen: Kreislaufwirtschaft in der landwirtschaftlichen Praxis

Praktische Umsetzung von Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft im Mittelpunkt

Beim 4. Netzwerktreffen des „Team Kreislaufwirtschaft“ stand die praktische Umsetzung von Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft im Mittelpunkt. Gemeinsam besuchten wir am 4. September 2026 die „Zukunft Höfe-Tour“ der Kreislauf-Region Melk-Scheibbs und erhielten Einblicke in zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen innovative Ansätze: ein Aquaponik-System sowie eine Agri-PV-Anlage über Beerenkulturen.

Die Praxisbeispiele machten sichtbar, wo Kreislauflösungen bereits funktionieren, welche Synergien entstehen können und wo technische, rechtliche oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen noch Weiterentwicklung brauchen.

Aquaponik: Ressourcen gemeinsam nutzen

 

Die erste Station zeigte, wie Fischzucht und Gemüseproduktion in einem gemeinsamen System verbunden werden können. Am Hof der Familie Aichberger wird die Zucht von rund 500 Welsen mittels Aquaponik-System mit dem Anbau verschiedener Gemüsesorten kombiniert. Dabei werden Nährstoffe aus der Fischproduktion für die Pflanzen nutzbar gemacht und unterschiedliche Produktionsschritte miteinander verknüpft.

Die Fische wachsen rund ein halbes Jahr und werden anschließend direkt vermarktet. Auch das Gemüse wird sowohl für den Eigenverbrauch als auch für die Vermarktung produziert. Der Betrieb zeigt damit beispielhaft, welches Potenzial in der Verbindung verschiedener Produktionssysteme liegt. Dies ist im Besonderen für Österreich relevant, da sowohl bei Gemüse wie Fisch ein niedriger Selbstversorgungsgrad vorliegt Gleichzeitig wurden auch Herausforderungen offen angesprochen, etwa hygienische Risiken bei der Schließung des Wasserkreislaufs, an dem aktuell noch gearbeitet wird.

Besonders interessant für die Diskussion im Netzwerk waren die bestehenden Rahmenbedingungen: Das eingesetzte Fischfutter sowie die Gemüsekultivierung in Wasser beeinflusst die Möglichkeit einer Bio-Zertifizierung, gleichzeitig sind alternative Futtermittel wie Proteine aus Insekten derzeit noch nicht in allen Bereichen entsprechend zugelassen. Mehr Infos: https://www.aquagut.at/

Agri-PV: Landwirtschaft und Energieproduktion verbinden

 

Die zweite Station widmete sich der Verbindung von landwirtschaftlicher Produktion und erneuerbarer Energie am Hof der Familie Wurzer. Auf rund 1,7 Hektar Beerenkultur wurde eine Agri-PV-Anlage errichtet. Rund 2.000 Heidelbeersträucher wachsen gemeinsam mit Himbeeren, Brombeeren und Paradeisern unter beziehungsweise zwischen den rund drei Meter hohen PV-Modulen.

Das Projekt zeigt, wie landwirtschaftliche Flächen mehrfach genutzt und gleichzeitig zusätzliche regionale Wertschöpfung geschaffen werden kann. Neben der landwirtschaftlichen Produktion wird erneuerbarer Strom erzeugt, der über die „EEG Strombeeren“ gemeinschaftlich genutzt beziehungsweise vermarktet wird.

Auch die regionale Wertschöpfung wurde bei der Umsetzung berücksichtigt. Für die Konstruktion der Anlage kamen regionale Profile zum Einsatz. Die Demonstrationsanlage dient zudem dazu, Erfahrungen für weitere Projekte zu sammeln – unter anderem wird die Übertragbarkeit des Ansatzes auf andere landwirtschaftliche Kulturen und Standorte geprüft. Mehr Infos: https://wurzers.at/

Gemeinsam voneinander lernen

 

Der Besuch der „Zukunft Höfe-Tour“ hat gezeigt, wie vielfältig die Wege zu einer ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Landwirtschaft sein können. Besonders wertvoll war dabei der direkte Einblick in die Betriebe und der offene Austausch über Erfahrungen, Chancen und Herausforderungen.

Für das „Team Kreislaufwirtschaft“ bot die Exkursion zugleich die Möglichkeit, Praxisbeispiele mit den eigenen Fragestellungen zu verbinden und neue Perspektiven für die regionale Kreislaufwirtschaft mitzunehmen. Denn innovative Lösungen entstehen häufig dort, wo unterschiedliche Bereiche zusammengedacht und Erfahrungen miteinander geteilt werden.

Die Eindrücke und Impulse der Höfe-Tour fließen in die weitere Netzwerkarbeit ein und bilden eine wertvolle Grundlage für den weiteren Austausch, neue Kooperationen und gemeinsame Schritte in Richtung einer zukunftsfähigen regionalen Wirtschaft.

Wer nun Lust bekommen hat: Das nächste und damit 5. Netzwerktreffen wird voraussichtlich am 5. Dezember stattfinden. Der Themenschwerpunkt wird in Kürze bekannt gegeben. 

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