Rio Negro: Wir trauern um einen Weggefährten!

São Gabriel trauriger Spitzenreiter Brasiliens. Bereits 6.000 Euro im Klimabündnis-Spendentopf.

Wir trauern um Poani Higino Pimentel Tenório. Foto: Raoni Valle

23. Juni: Zwei Monate nach den ersten Krankheitsfällen stieg die Zahl der an Corona erkrankten Personen in São Gabriel auf 2.553 mit 43 Todesfällen. Aus den Dörfern der Region wurde von 394 Kranken und 12 Toten berichtet. Somit liegt, proportional zur Zahl der EinwohnerInnen, São Gabriel mit 5.570,19 Fällen/100.000 EW an 1. Stelle Brasiliens.

Wir trauern um Poani Higino Pimentel Tenório

Vergangenen Donnerstag verstarb Poani Higino Pimentel Tenório (65), der sich seit 1990 besonders für die Anerkennung der Indigenen Territorien und ein kulturell angepasstes Bildungswesen eingesetzt hat. Johann Kandler: "Gemeinsam besuchten wir 1995 viele Klimabündnis-Gemeinden in Österreich. Seine Berichte über die indigene Kultur und sein umfangreiches Wissen über den Regenwald haben alle beeindruckt. Im Jahr 2000 waren wir mit einer Klimabündnis-Delegation am Tiquié, nahe der kolumbianischen Grenze, und erlebten neben einem traditionellen Fest, wie die Kinder in der eigenen Sprache der Tuyuka alphabetisiert wurden. Mit Unterstützung des ISA war es gelungen, die Sprache zu verschriftlichen und das traditionelle Wissen zu dokumentieren. Higino hielt oft Vorträge auf Universitäten und Kongressen von PädagogInnen, SprachwissenschaftlerInnen und AnthropologInnen. Sein Tod bedeutet wie der vieler alter Frauen und Männer, die als „lebende Bibliotheken“ gelten, einen großen Verlust für die indigenen Völker."

Krisenstab arbeitet gut zusammen

In allen Indigenen Territorien von ganz Brasilien sind bisher 347 Tote zu beklagen, fast 8.000 Personen von 111 Völkern sind erkrankt. Indigene, die in Städten leben, sind nicht erfasst. Am Rio Negro ist die Situation hinsichtlich der Versorgung vergleichsweise weniger dramatisch, weil alle Institutionen in einem Krisenstab gut zusammen arbeiten (neben FOIRN und ISA die Stadtverwaltung, Militär, Diözese, Gesundheitseinrichtungen uam.) Täglich finden Besprechungen im „Haus des Wissens“ unter der Leitung von FOIRN-Präsident Marivelton Barroso Baré statt. Aufgrund der guten Vernetzung und Organisationsstruktur erreichten FOIRN und ISA Kooperationen mit Ärzte ohne Grenzen und einer brasilianischen Freiwilligenorganisation „Expedicionários de Saúde“. Erstere helfen in der Stadt während die anderen in mehreren größeren Orten der Region Bettenstationen eingerichtet haben und Untersuchungen durchführen. Weiters organisierten sie dutzende Sauerstoffflaschen und Beatmungsgeräte, sowie Testmaterial und Tausende Notfallpakete mit Lebensmittel und hygienischen Materialien, die mit Hilfe von Greenpeace und Militärs in die Region transportiert werden. https://www.theguardian.com/global-development/2020/jun/21/brazil-losing-generation-indigenous-leaders-covid-19

Trotz allem breitet sich der Corona-Virus aus, weil die Kontaktbeschränkungen von vielen nicht eingehalten werden – vor allem, weil die Familien täglich für ihr Überleben arbeiten müssen. Häufig gibt es auch Warteschlangen bei den Auszahlungsstellen der Renten, Familienbeihilfe und der Corona-Sozialgelder.  .“

6.000 Euro im Klimabündnis-Spendentopf 

Johann Kandler: „In unserem Spendentopf sind bereits 6.000 Euro eingelangt. Wir schicken dieses Geld als Soforthilfe an unsere Partnerorganisation. Ein Danke an alle, die das möglich machten. Wer noch helfen will, findet unter folgendem Link weitere Informationen und kann auch auf das Spendenkonto beim Klimabündnis einzahlen."

  • Infos zur Spendenaktion – auch in Deutsch – unter https://noscuidamos.foirn.org.br/doe-agora/ (links oben auf „Translate“ klicken)
  • Spendenkonto "Amazonien": IBAN: AT35 3412 9000 0006 9609, BIC: RZOOAT2L129. Zahlungszweck: Hilfe für FOIRN.
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